Betreuungskonzept für qualitätsgesicherte Betreuungsangebote
im Sinne des § 45b SGB XI

Vorwort

Das vorliegende Konzept des “Pflegeteam Altes Land” richtet sich an die Pflegekassen, interessierte Fachkräfte aus der Alten- und Krankenpflege, kooperierenden Berufsgruppen.
Angesprochen sind aber auch Angehörige und Betreuerinnen.
Mit diesem Konzept wollen wir unsere Leistungen darlegen und unsere Arbeitsweise sowie die uns leitenden Gedanken transparent machen.

Einleitung

Das Pflegeteam Altes Land hat seinen Sitz seit 2006 in Jork. Das Einsatzgebiet im Herzen des Alten Landes erstreckt sich über die gesamte II. Meile sowie in der I. Meile des Alten Landes von der Lühe bis Twielenfleth. Wir pflegen und versorgen hier Pflegebedürftige aller Pflegegrade in deren häuslicher Umgebung als Vertragspartner der Kranken- und Pflegekassen.

Durch unsere tägliche Arbeit in der ambulanten Pflege wissen wir, dass die Pflegesituationen in der Häuslichkeit oft zu großen Belastungen führen können. Nicht nur die Pflegebedürftigen müssen sich mit den neuen Situationen arrangieren, auch die pflegenden Angehörigen sind mit betroffen. Es entsteht ein Gefühl der Einengung.

Zur Verbesserung der Versorgungssituation, insbesondere von dementiell erkrankten Pflegebedürftigen wurde mit dem Pflegeleistungs- Ergänzungsgesetz ein Bündel von Maßnahmen festgelegt, mit dem Ziel, für pflegende Angehörige zusätzliche Möglichkeiten zur dringend notwendigen Entlastung zu schaffen.

Unser Angebot richtet sich an Angehörige mit

  • Pflegebedürftigen mit demenzieller Symptomatik
  • Pflegebedürftigen mit körperlicher und geistiger Behinderung
  • Pflegebedürftige mit psychischen Veränderungen

Es ist für uns selbstverständlich, dass wir die Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen bei den erforderlichen Formalitäten beraten und unterstützen. Mit Einverständnis der Betroffenen bieten wir die Nutzung von vorbereiteten Anträgen und Abtretungserklärungen an.
Mit unserem Konzept stellen wir unser Angebot für zusätzliche Betreuungsleistungen vor. Bei dem Angebot sind Maßnahmen der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung ausgeschlossen.

Art und Inhalt der Betreuung

Bei der Betreuung handelt es sich in der Anfangsphase ausschließlich um Einzel-Betreuung

  • zur Beaufsichtigung insbesondere zur Entlastung von pflegenden Angehörigen bei Störung des Tag- / Nachtrhytmusses, bei der Gefahr des unkontrollierten Verlassens des Wohnbereichs und/oder das Verkennen oder Verursachen gefährlicher Situationen
  • zum Training von Alltagskompetenzen und tagesstrukturierenden Maßnahmen
  • zur Anleitung und Unterstützung bei der Aufnahme sinnhafter Tätigkeiten
  • zur Anregung und Unterstützung bei sozialen Kontakten
  • für entspannende Aktivitäten zum Erhalt und zur Förderung der Motorik und der Gesellschaftsfähigkeit
  • sowie Gespräche führen, Unterhaltung fördern mit dem Ziel der Aktivierung

Umgang mit Demenzerkrankten

Wir möchten den Demenzerkrankten Gefühle der Sicherheit und der Zugehörigkeit sowie ein gesteigertes Selbstwertgefühl vermitteln. Des Weiteren möchten wir Ängste und Stress minimieren. Daraus ergibt sich eine Reduktion unkontrollierter Gefühlsausbrüche und die soziale Kontaktaufnahme wird gefördert.
Dies erreichen wir durch die Anwendung der integrativen Validation (IVA) nach Nicole Richard. Hierbei orientiert sich die Validation auf verbliebene Fähigkeiten und Kompetenzen des Demenzerkrankten. Diese Ressourcen wollen wir aktivieren und in die Pflege und Betreuung integrieren. Nicole Richard stellt dabei die zwei zentralen Ressourcen „Antrieb“ und „Gefühl“ heraus.
„Antrieb“ bezeichnet früh erlernte Normgefühle einer Generation, die eine lebensgeschichtliche Herleitung beinhalten.
„Gefühle“ sind Ausdruck der momentanen Befindlichkeit und beinhalten eine Reaktion auf die Umwelt. Sie sehen oft in Verknüpfung mit der inneren Erlebniswelt und werden von Demenzerkrankten direkt zum Ausdruck gebracht, wie z. B. Angst oder Ärger.
Um diese Ressourcen aufzudecken, ist es nötig, sich in die „Zeit- und Erlebnisebene“ des Dementen einzufühlen und seine „innere Realität“, „seine persönliche Lichtung im Nebel“ anzuerkennen (Richard, 1996, S. 219). Antriebe und Gefühle können so wahrgenommen und wertschätzend wiedergegeben werden. Auf diese Weise können negative Gefühle aufgelöst und positive lebendiger erlebt werden. Der Betreute wird emotional aufgefangen und fühlt sich verstanden, da die von ihm geäußerten Gefühle in einer Atmosphäre des Vertrauens ernst genommen und wertgeschätzt werden. Um Gefühlsmomente, die hinter Äußerungen oder Verhaltensweisen einer dementen Person stehen, richtig einordnen zu können, sind Biographiewissen und Kenntnisse von Symbolen entscheidend und die Voraussetzung für eine dementengerechte Kommunikationsweise (vgl. Richard, 2001a, S. 57f.)
Verbale (Sprache), nonverbale (Körpersprache) und paraverbale (Betonung) Kommunikation sind die Grundsätze der IVA, dabei sollen keine Diskrepanzen zwischen den drei Ebenen entstehen (lt. Richard). Auf der sprachlichen Ebene soll in kurzen, eindeutig formulierten Sätzen kommuniziert werden. Es sollen Wörter verwendet werden, die der demente Mensch in Kindheit, Jugend und jüngeren Erwachsenenjahren gebraucht hat. Günstig ist auch die Verwendung von Sprichwörtern. Ebenfalls hilfreich ist der Einsatz von Ritualen. Dabei können sowohl alte Rituale erkannt und gepflegt als auch neue geschaffen werden.
Biographieabhängige Themen und Beschäftigungen erleichtern ebenfalls den Zugang zur „inneren Realität“ des dementen Menschen und verbessern so die Kommunikation.

Personelle Struktur

Der Bereich der zusätzlichen Betreuung steht unter der ständigen Verantwortung einer Pflegefachkraft. Vorerst werden nur hauptamtliche Mitarbeiterinnen die Leistung erbringen. Dabei handelt es sich um Heilerziehungspflegerinnen, Altenpflegerinnen, Haus- und Familien-pflegerinnen und Krankenschwestern.
Nach entsprechenden Schulungen ist der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen denkbar.

Dokumentation

Zur Information und zur Nachvollziehbarkeit werden alle erforderlichen Daten in einer Dokumentationsmappe erfasst. Dabei handelt es sich im Einzelnen um

  • Stammdaten des Pflegebedürftigen mit Erreichbarkeit und Zuständigkeit von Angehörigen und Ärzten, sowie Hinweisen zu Mobilität und Hilfsmitteln
  • Biographiebogen zum Selbstausfüllen (Hilfestellung wird angeboten) durch den Pflegebedürftigen bzw. die Angehörigen
  • Einsatz-/Tätigkeitsbericht der Mitarbeiterin mit der Möglichkeit für den pflegenden Angehörigen Nachwirkungen (z. B. im Verhalten) beim Pflegebedürftigen zum Einsatz zu dokumentieren
  • Leistungsnachweis mit Zeitangaben und Handzeichen der Mitarbeiterin und bestätigender Unterschrift durch den Pflegebedürftigen oder dessen Vertreter